Stubenreinheit: Der Welpe kann die Uhr noch nicht lesen

Und ständig muss er Pipi

Die grobe Faustregel trifft es eigentlich ganz gut: ungefähr alle zwei Stunden und immer nach dem Aufwachen, Fressen, Spielen oder wenn eine andere Aktivität endet, muss der Welpe raus.

Wobei „alle zwei Stunden“ an manchen Tagen ziemlich optimistisch klingt.

Franz wacht auf.

Also Welpenkind auf den Arm und ab in den Garten. Im besten Fall immer an dieselbe Stelle, damit dieser Ort irgendwann nicht mehr nur irgendein Stück Garten ist, sondern ganz selbstverständlich der Platz für seine Geschäfte wird.

Dann steht man dort einen Moment, der Welpe erledigt alles, was erledigt werden muss, und gemeinsam geht es wieder hinein.

Prima. Läuft doch.

Dann bekommt Franz sein Futter. Ich räume noch etwas weg, beantworte eine Nachricht oder freue mich kurz darüber, wie gut das mit der Stubenreinheit funktioniert.

Und schwupps steht da wieder ein Welpe, der muss.

Denn nach dem Fressen wird die Verdauung angeregt. Das gerade gefressene Futter ist natürlich nicht innerhalb weniger Minuten einmal durch den Hund gewandert. Aber die Futteraufnahme kann dafür sorgen, dass bereits vorhandener Kot im Darm weitertransportiert wird.

Und genau deshalb kann derselbe Welpe, der gerade erst draußen war, kurze Zeit nach dem Fressen schon wieder vor der Tür stehen.

Oder eben auch nicht vor der Tür.

Denn dass er muss, bedeutet noch lange nicht, dass er schon verstanden hat, wie er mir das rechtzeitig mitteilen soll.

Warum Welpen noch nicht lange einhalten können

Sehr junge Welpen können Blase und Darm noch nicht so zuverlässig kontrollieren wie erwachsene Hunde. Sie können Harndrang anfangs weder besonders lange zurückhalten noch immer rechtzeitig ankündigen.

Mit zunehmendem Alter werden die möglichen Abstände normalerweise länger. Einen festen Zeitpunkt, ab dem jeder Welpe zuverlässig einhalten kann, gibt es aber nicht.

Wie lange es klappt, hängt außerdem von der Situation ab. Nach dem Schlafen, Fressen, Trinken, Spielen oder bei Aufregung kann ein Welpe deutlich früher wieder müssen, auch wenn er zu anderen Zeiten bereits länger einhalten kann.

Eine Uhr kann helfen. Eine Garantie ist sie nicht.

Pee und Poo

Jedes Pipi und jedes Häufchen an der richtigen Stelle benenne ich mit den Worten „Pee“ und „Poo“.

Einfach so. Ohne Keks und ohne großes Lob.

Ich sage das jeweilige Wort in dem Moment, in dem Franz sein Geschäft erledigt. Durch die vielen Wiederholungen kann er nach und nach verknüpfen, welches Verhalten mit „Pee“ und welches mit „Poo“ gemeint ist.

Später kann daraus ein Signal werden. Natürlich kann ein Hund nicht auf Kommando pinkeln, wenn seine Blase leer ist. Muss er aber ohnehin und steht an einer geeigneten Stelle, kann das Wort ihm helfen, sein Geschäft dort und in diesem Moment zu erledigen.

Das ist besonders praktisch, wenn man mit einem Hund in der Stadt, auf Reisen oder an Orten unterwegs ist, an denen er sich nicht einfach überall lösen soll.

Dann kann ich ihm zeigen: Hier ist eine geeignete Stelle. Jetzt wäre eine gute Gelegenheit.

Auf Kekse oder überschwängliches Lob verzichte ich dabei bewusst.

Wird der Keks schon während des Pinkelns sichtbar oder wird der Welpe dabei sehr aufgeregt angesprochen, kann es passieren, dass er sein Geschäft unterbricht, um sich die Belohnung abzuholen. Dann ist die Blase möglicherweise noch nicht vollständig geleert und kurze Zeit später muss er schon wieder.

Ich möchte deshalb möglichst wenig Unruhe in diesen Moment bringen. Franz erledigt sein Geschäft, ich benenne es ruhig mit „Pee“ oder „Poo“, und danach geht unser Alltag weiter.

Und wenn es doch im Haus passiert?

Dann wische ich es weg.

Wenn ich Franz direkt dabei erwische, nehme ich ihn hoch und bringe ihn noch einmal nach draußen in den Garten. Dort bekommt er die Möglichkeit, sein Geschäft zu beenden. Anschließend wische ich die Stelle im Haus weg.

Passiert es unbemerkt, wird es einfach kommentarlos sauber gemacht. Franz im Nachhinein zu der Stelle zu bringen, würde ihm nicht erklären, was er stattdessen tun soll.

Zum Reinigen nutze ich einen Enzymreiniger. Er entfernt nicht nur das, was wir Menschen noch riechen, sondern soll auch die Geruchsbestandteile abbauen, die für den Hund weiterhin wahrnehmbar sein können. Bleibt der Geruch an einer Stelle erhalten, kann genau dieser Ort erneut interessant werden.

In erster Linie besteht das Training zur Stubenreinheit im Moment also darin, schnell zu sein.

Franz wacht auf: raus.

Er hat gefressen: kurze Zeit später wieder raus.

Wir haben gespielt oder etwas anderes gemacht und die Aktivität endet: raus.

Und wenn es gut läuft, erkenne ich inzwischen auch die kleinen Anzeichen. Franz läuft plötzlich sehr schnell zur Terrassentür, wird unruhig, schnüffelt auffällig oder dreht sich im Kreis.

Das kann bedeuten: Ich muss mal. Und zwar nicht irgendwann, sondern ziemlich schnell.

Stubenreinheit bedeutet am Anfang deshalb weniger, dass der Welpe zuverlässig Bescheid sagt. Sie bedeutet vor allem, dass der Mensch aufmerksam genug ist, seine ersten Hinweise zu erkennen und rechtzeitig die Tür aufzumachen.

Und nachts?

Es kann gut sein, dass dein Welpe auch nachts alle zwei bis drei Stunden vor die Tür muss.

Damit du das mitbekommst, schläft er am besten in deiner Nähe. So hörst du, wenn er unruhig wird, sich häufiger bewegt oder plötzlich wach ist.

Dann gilt dasselbe wie am Tag: aufstehen, Welpen schnappen und raus.

Ich freue mich an dieser Stelle gerade sehr darüber, dass Sommer ist.

Manche Welpen schlafen nachts allerdings auch relativ schnell mehrere Stunden am Stück. Das ist wunderbar, aber noch kein Garant dafür, dass es ab jetzt jede Nacht so bleibt.

Neue Eindrücke, ein anderer Tagesablauf, mehr Trinken oder einfach eine unruhige Nacht können die Abstände wieder verkürzen.

Ich danke dem weltbesten Welpen Franz Ferdinand deshalb sehr dafür, dass er inzwischen nachts ungefähr sechs Stunden schläft.

Und wenn der Welpe wirklich ständig pinkelt?

Welpen müssen häufig raus. Das gehört erst einmal dazu.

Wenn du aber das Gefühl hast, dass dein Welpe alle drei Minuten einen kleinen See hinterlässt, ständig nur wenige Tropfen absetzt oder es ihm insgesamt nicht ganz gut geht, würde ich ihn tierärztlich untersuchen lassen.

Häufiges Urinieren kleiner Mengen kann zum Beispiel auf eine Blasenentzündung oder eine andere Erkrankung der Harnwege hinweisen. Auch Schmerzen beim Pinkeln, starkes Pressen, Blut im Urin, ungewöhnlich häufiges Lecken im Genitalbereich oder deutlich mehr Trinken als sonst sollte man ernst nehmen und zum Tierarzt gehen. 

 

Besuch außer Rand und Band

Bald geht es weiter mit

Sozialisation und Umweltgewöhnung und der Frage, was ein Welpe wirklich kennenlernen sollte.

 

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