Die Schnappschildkröte zieht ein – Welpen beißen

Welpen erkunden ihre neue Welt nicht nur mit Nase und Augen, sondern auch mit der Schnauze. Dinge werden aufgenommen, getragen, angekaut und ausprobiert. Nichts bleibt bei der Erkundung dieser neuen Welt ungenutzt.

Und dann kommt sie: die Schnappschildkröte.

Plötzlich hängen kleine, spitze Zähne in Händen, Ärmeln, Hosenbeinen oder Füßen. Und während der Welpe dabei vielleicht aussieht, als hätte er den Spaß seines Lebens, fühlt es sich für den Menschen häufig deutlich weniger lustig an.

28 kleine Nadeln

Welpen kommen zunächst ohne sichtbare Zähne zur Welt. Ab ungefähr der dritten Lebenswoche bricht das Milchgebiss durch, das vollständig aus 28 Zähnen besteht.

Ab etwa dem vierten Lebensmonat beginnt der Zahnwechsel. Nach und nach werden die 28 Milchzähne durch 42 bleibende Zähne ersetzt. Mit ungefähr sechs bis sieben Monaten ist das Erwachsenengebiss in der Regel vollständig.

Dass sich Welpenzähne besonders spitz anfühlen, ist übrigens keine Einbildung. Sie sind schmal und fein. Das macht die kleine Schnappschildkröte nicht gefährlicher, aber deutlich fühlbarer.

Nach müde kommt blöd

Kennt ihr den Spruch: „Nach müde kommt blöd“?

Das passt auch ziemlich gut auf die Zähne eines Welpen, denn wenn die Schnappschildkröte rauskommt, wird es meistens auch ziemlich schmerzhaft.

Oft hat das mit Übermüdung zu tun. Das bedeutet nicht unbedingt, dass der Welpe insgesamt zu wenig geschlafen hat. Vielleicht war der Tag einfach voll, vielleicht waren es zu viele Reize oder Reize, die er noch nicht besonders gut aushalten und verarbeiten konnte.

Natürlich ist nicht jedes Schnappen automatisch Müdigkeit. Wenn der Welpe aber plötzlich immer wilder wird, in Hände und Kleidung beißt und kaum noch ansprechbar ist, braucht er häufig vor allem Ruhe und Unterstützung.

Dann nehme ich ihn auf den Arm und halte ihn, versuche zu vermeiden, dass er weiter in meine Arme oder Kleidung beißt, bleibe selbst ruhig und atme tief und gleichmäßig in den Bauch.

Das wird nicht bei jedem Welpen sofort funktionieren. Die ersten Male kann das Aufnehmen die Aufregung sogar noch verstärken. Hilft das Halten nicht, kann ich ihn wieder absetzen und den Kontakt für einen kurzen Moment beenden.

Wichtig ist dabei: Er macht das nicht, um mich zu ärgern. Er kann gerade nicht anders.

Co-Regulation

Welpen können sich noch nicht in jeder Situation allein beruhigen. Die Ruhe, Verlässlichkeit und körperliche Nähe eines vertrauten Menschen können ihnen dabei helfen, wieder herunterzufahren.

Das bedeutet nicht, dass jeder Welpe durch Festhalten sofort ruhig wird. Co-Regulation heißt vielmehr, dass der Mensch den Welpen dabei unterstützt, seinen Zustand wieder zu verändern.

Nicht jedes Knabbern ist die Schnappschildkröte

Anders sieht es beim Erkundungsknabbern aus.

Dieses Knabbern ist meistens vorsichtiger und tut in der Regel nicht oder deutlich weniger weh. Der Welpe probiert aus, wie sich Haut, Hände oder Finger anfühlen und was passiert, wenn er seine Schnauze dafür einsetzt.

Je nachdem, wie du es später handhaben möchtest, nimmst du deine Hand weg und wartest einen Moment. Oder du lässt deinen Welpen in einem für dich angemessenen Maß an deinen Fingern knabbern.

Denn die sogenannte Beißhemmung muss sich erst noch weiterentwickeln.

Was Beißhemmung bedeutet

Beißhemmung bedeutet nicht, dass ein Hund niemals seine Schnauze oder seine Zähne einsetzt.

Sie bedeutet, dass er lernt, die Kraft seines Bisses anzupassen und auf die Rückmeldung seines Gegenübers zu reagieren.

Diese Entwicklung beginnt bereits im Kontakt mit Mutter und Geschwistern und geht im Zusammenleben mit Menschen und anderen Hunden weiter.

Was darf durchgekaut werden?

Überlege dir, wann dein Hund wie und worauf beißen oder kauen darf.

Sind Möbel immer tabu, dann sollte das von Anfang an klar sein. Dasselbe gilt für Hosenbeine, Kleidung, Kissen oder Füße. Der Welpe kann lernen, dass bestimmte Dinge nicht zum Kauen da sind.

Trotzdem braucht er natürlich Dinge, auf denen er kauen darf, denn gerade während des Zahnwechsels kann das Kaubedürfnis noch einmal deutlich zunehmen.

Das heißt aber nicht, dass nach jedem Griff ins Tischbein sofort eine Alternative gereicht werden muss. Du entscheidest, ob dein Welpe in dieser Situation eine Alternative bekommt und welche.

Was kann eine passende Alternative sein?

Flexible Gummispielzeuge können gut geeignet sein, wenn sie zur Größe und zum Kauverhalten des Welpen passen und etwas nachgeben. Einige lassen sich befüllen oder während des Zahnwechsels kühlen.

Auch getrocknete Kaninchenohren mit oder ohne Fell können eine Möglichkeit sein. Entscheidend ist dabei weniger das Fell als die Frage, wie der Welpe damit umgeht. Kaut er darauf oder versucht er, das ganze Ohr beziehungsweise große Stücke herunterzuschlucken?

Mit Fell bedeutet dabei nicht automatisch gesünder. Aussagen wie „natürliche Entwurmung“ oder „Darmreinigung“ würde ich nicht als Kaufargument nehmen, denn dafür gibt es keine belastbaren Belege.

Bei Kauholz schaue ich ebenfalls genau hin. Kaffeeholz und Olivenholz werden häufig als splitterarm verkauft. Das bedeutet aber nicht, dass sich niemals Fasern oder größere Stücke lösen oder dass das Holz für jeden Welpen passend ist.

Stofftiere können zum Tragen, Kuscheln und vorsichtigen Kauen geeignet sein. Andere Welpen öffnen sie innerhalb weniger Minuten fachgerecht.

Sobald Füllmaterial, Stoffteile, Augen oder der Quietschkörper herausgearbeitet werden, kommt das Stofftier weg.

Taue und Seile nutze ich vor allem für gemeinsames Spiel. Zum Tragen und Zerren können sie wunderbar sein, als unbeaufsichtigter Kauartikel sind sie für mich aber nichts. Sobald sich das Tau auflöst oder lange Fäden entstehen, wird es aussortiert.

Und dann gibt es Dinge, die zwar als Kauartikel verkauft werden, für meinen Welpen aber nicht infrage kommen.

Geweih gehört dazu.

Es ist so hart, dass es Zähne beschädigen oder brechen kann. Dasselbe gilt für andere sehr harte Kauartikel, die kaum nachgeben.

Besuch außer Rand und Band

Je härter, desto besser?

Nein.

Ein Kauartikel sollte nicht steinhart sein. Lässt sich mit dem Fingernagel keine kleine Delle hineindrücken und gibt das Material überhaupt nicht nach, kann es für die Zähne zu hart sein.

Bei neuen Kauartikeln bleibe ich zunächst dabei und schaue, wie genau dieser Welpe damit umgeht. Löst er große Stücke, frisst Fasern oder versucht er, etwas am Stück herunterzuschlucken, passt dieser Artikel nicht zu ihm.

Einmal ins Maul schauen

Während des Zahnwechsels lohnt es sich, regelmäßig einen Blick ins Maul des Welpen zu werfen.

Steht ein Milchzahn noch, obwohl der bleibende Zahn bereits daneben durchbricht, sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt draufschauen.

Auch ein abgebrochener oder verfärbter Milchzahn ist nicht automatisch harmlos. Kaut der Welpe plötzlich nur noch auf einer Seite, lässt Futter fallen oder möchte nicht mehr auf seinen Sachen kauen, gehört das ebenfalls tierärztlich abgeklärt.

Und was gilt nun bei uns?

Auch hier schaue ich wieder auf die nächsten 15 Jahre.

Wie möchte ich dieses Verhalten später haben?

Mein Welpe darf auf Gras, Holz und Blättern kauen, ohne dass ich sofort etwas mache. Möbel und Kissen sind tabu. Meine Hände sind abhängig von der Intensität erlaubt oder eben nicht. Meine Füße und meine Kleidung sind ebenfalls tabu.

Ich entscheide, was erlaubt ist, was nicht und ob es in dieser Situation eine Alternative gibt.

Und auch wenn es sich in manchen Momenten nicht so anfühlt: Diese Faszination dafür, dass wirklich alles einmal durchgekaut werden muss, lässt mit den Monaten normalerweise deutlich nach.

Nicht jedes Beißen bedeutet dasselbe.

Und deshalb braucht auch nicht jedes Beißen dieselbe Antwort.

Bald geht es weiter mit

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