Die schwerste Entscheidung meines Lebens

Und ich stehe seit etwa drei Jahren vor dieser Entscheidung. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wann wird es Zeit, Ouzo gehen zu lassen?

Ich habe schon mehrere Hunde einschläfern lassen müssen und die Entscheidung war nie leicht, aber schlussendlich einfach.

Thunder hatte Lymphdrüsenkrebs. Nach der Diagnose hatten wir ca. sechs Monate, bevor es nicht mehr ging. Die Entscheidung war mit der Diagnose bereits gefallen und wir warteten auf den Moment. Und Thunder hat ihn uns gezeigt. War ich traurig? Ja, sehr. War es leicht? Nein, auf keinen Fall. Aber es war einfach, sie zu treffen. Er hatte eine tödliche Diagnose und ich wusste, er wird sterben und es gab die Möglichkeit, es ihm zu erleichtern, damit er nicht leiden musste.

Dann folgte Jack, der verrückte Dobermann-Mix. Auch hier war es nicht leicht, aber durch seine Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt und seine Aggression gegenüber den anderen Hunden im eigenen Haushalt gab es damals auch keine andere Lösung. Er musste gehen.

Bess, der Hund, der Wände gelöchert hat und strahlend mit Dreck und Tapetenresten im Loch hinter der Regipswand saß und ihre neue Höhle gefeiert hat. 

Dann die Josephine, Prinzessin von der Erbse, kollabierende Luftröhre, vergrößertes Herz und Nieren, die sich in Luft bzw. Bindegewebe aufgelöst hatten. Auch hier war die Entscheidung irgendwie nicht meine. Es war final und konnte durch nichts geändert werden. Schlussendlich einfach, aber leicht auf keinen Fall.

Und die anderen, von denen ich gerade keine Bilder parat habe, aber im Herzen unvergessen…
Kaye
Asta
Krümel

Und dann der Ouzo … er macht es mir weder leicht noch einfach. HD, Spondylose, jeden Monat Schmerzspritze und Anabolika zum Muskelerhalt, täglich Schmerzmittel noch dazu, und trotzdem baut er ab. Vor drei Jahren im Sommer dachte ich, es wäre so weit, aber wir haben gekämpft. Und wir hatten drei schöne weitere Jahre. Drei Winter, dreimal Frühjahrserwachen und jetzt bricht der dritte Sommer an … aber es wird schlimmer. Er wird instabiler, hat schlechte Laune, schläft sehr viel und humpelt so vor sich hin. Manchmal stolpert er und seine Hinterpfoten verknoten sich. Inzwischen ist er kotinkontinent und verliert im Laufen und auch im Schlaf Kot. Manchmal merkt er es und manchmal nicht. Manchmal gibt es einen Tag Pause und meistens bin ich froh, wenn es nur zweimal am Tag in der Wohnung passiert, manchmal aber eben auch viel mehr.

Letztens waren wir gemeinsam im Restaurant essen. Es war ein Traum, der gute Ouzo lag unterm Tisch auf der Seite und hat tief und fest geschlafen. Einige von euch wundern sich vielleicht, warum ich das erwähne, denn wer den Ouzo kennt, weiß, dass das nicht Ouzo ist. Ouzo hüpft, Ouzo fiept, steht 27-mal auf und schaut sich alles ganz genau an. Aber niemals schläft er außerhalb seiner vier Wände. Und schon dreimal nicht, wenn da fremde Menschen rumlaufen und er auf den Strand blicken kann. Vor ein paar Jahren hätte ich es gefeiert. Heute macht es mich traurig, das ist nicht mehr Ouzo. Das ist ein Hund, der einfach müde ist und Schmerzen hat.

Manchmal steht er einfach mit dem Kopf im Kleiderschrank und bewegt sich nicht. Manchmal kann Pixel nicht mit Abstand am Körbchen vorbeigehen, ohne dass er sie anknurrt (hat er noch nie gemacht). Und der eigenständige „ich kann alles alleine und brauche niemanden“-Ouzo mag nicht mehr ohne mich sein und ist am liebsten zu Hause in seinem Körbchen.

 

Ich mag mir eine Welt ohne diesen Knalltüten-Hund gar nicht vorstellen. Kann es diese Welt überhaupt geben? Wie soll das gehen?

Der Hund, der mich mehr beeinflusst und zu Veränderungen gezwungen hat als jeder andere Hund vor ihm, der Hund, der mich zum Mantrailing brachte, weil nichts anderes gemeinsam machbar war. Der Hund, der stumpf aussah und in Wahrheit so sensibel und weich war, hat mich zum Sehen gebracht.

Wie soll ich nur diese Entscheidung treffen, dass er gehen darf, soll, muss?

„Es ist niemals zu früh und meistens zu spät“, sagte mir jemand. Aber wie soll ich diese Entscheidung treffen? Wann ist es so weit? Habe ich noch zwei Wochen oder drei Monate oder 25 Jahre (die Hoffnung stirbt zuletzt) oder ist es morgen schon zu spät?

Er frisst doch noch. Diese Aussage soll mir helfen. Ja, er frisst noch, aber an manchen Tagen eben nur mit Verfeinerung, mit Thunfisch oder Dosenfutter. Der Hund, der immer Hunger hatte und nie auf auch nur einen Krümel, egal was es war, verzichtet hat.

Er hat doch noch Spaß.

Ja, denke ich auch. Oder hat er Spaß mir zuliebe? Oder weil er als Frühkastrat einfach immer Glitzerknete in seinem Kopf hatte statt Gehirn? Aber er ist nach Spaßtagen (ok, Stunden oder Minuten) dann aber auch für ewige Zeiten verschwunden und schläft. Kommt nicht mit raus in den Garten und bleibt einfach liegen, obwohl der Kühlschrank aufgeht.

Aber so lange er noch …

Aber muss er wirklich an den Punkt kommen, an dem er nichts mehr frisst, gar nicht mehr aufstehen will oder vielleicht gar nicht mehr aufstehen kann, nicht nur kotinkontinent ist, sondern gar nichts mehr bei sich behalten kann? Er vor Schmerzen schreit und die Augen nur noch flehen?

Für wen muss er denn dann so leiden? Oder ist es ok, nach drei Jahren Kämpfen und ja, es hat sich gelohnt, es waren wundervolle Jahre. Darf er einfach gehen, wo es noch (vermeintlich) ok für ihn ist?

Die schwerste Entscheidung meines Lebens …

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Ein Kommentar

  1. Das hast du wirklich sehr schön geschrieben und ich bin mir sicher, du triffst die richtige Entscheidung für Ouzo und dich. Fühl dich ganz doll gedrückt!

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